Benzol

Was hat der Rasenmäher mit Krebs zu tun?

Vor einiger Zeit wurde in Schweden ein rätselhaftes Phänomen festgestellt: Die Forstarbeiter, also Leute, die den ganzen Tag an der frischen Luft arbeiteten und körperlich fit waren, erkrankten deutlich häufiger an Leukämie als der Durchschnitt der Bevölkerung. Es stellte sich heraus, dass der Treibstoff der Motorsägen und ähnlichen Geräten an diesem Phänomen schuld war. Dabei handelt es sich um einen bestimmten Stoff, der in diesen Abgasen in höheren Konzentrationen vorkommt und von den Forstarbeitern während der Arbeit vermehrt eingeatmet wurde: Benzol (C6H6) (Quelle). In diesem Kapitel geht es genau darum.

Was ist Benzol?

Benzol (C6H6) ist ein flüchtiger Stoff und stammt hauptsächlich aus Erdölprodukten und Autoabgasen. In Rohöl ist Benzol von Natur aus in geringen Mengen vorhanden. Es hat einen charakteristisch aromatischen Geruch.

Benzol wird bei der Herstellung von Benzin freigesetzt, entsteht aber auch bei der Verbrennung von Heizöl, Kohle oder Holz (Waldbrände) und entweicht bei Tankstellen und Tankanlagen. Kleingeräte mit Benzinmotor und ohne Katalysator tragen zu einer erhöhten Benzolbelastung der Benutzerinnen und Benutzer bei, wenn sie mit herkömmlichem Benzin betrieben werden. Hauptverursacher der Benzolemissionen ist der motorisierte Strassenverkehr (ca. 60%). Lediglich zirka drei bis fünf Prozent des weltweiten Benzolausstosses sind natürlichen Ursprungs (Quelle).

Warum ist Benzol gefährlich?

Kurze Expositionen bei sehr hoher Benzolkonzentration in der Luft können zum Tod führen. Die Todesursache können Herzversagen, Erstickung, Schädigung des zentralen Nervensystems oder Atemstillstand sein. Kurze Expositionen bei tiefen Benzolkonzentrationen in der Luft können zu Schläfrigkeit, Schwindel, Herzrasen, Kopfschmerzen, Zittern, Verwirrtheit und Unaufmerksamkeit führen (Quelle). Eine Benzolexposition kann Zellen insbesondere des Knochenmarks schädigen. Das stört die normale Blutproduktion und kann zum Beispiel zu Blutarmut führen. Die Blutproduktion kann sich wieder normalisieren, nachdem die Benzolexposition beendet ist. Es besteht jedoch die Gefahr von längerfristigen Auswirkungen. Benzol kann Veränderungen im genetischen Material von Zellen (insbesondere Knochenmark) auslösen und erhöht dadurch das Risiko, an Leukämie (Blutkrebs) zu erkranken. Es gibt auch Hinweise, dass Benzolexposition mit anderen Krebserkrankungen in Verbindung steht.

Eine Benzolaufnahme über den Mund erfolgt meist aus Unachtsamkeit und unter Missachtung von Vorsichtsmassnahmen. Zum Beispiel, wenn Benzin zur Tankentleerung mit dem Mund angesaugt wird. Dies ist gefährlich, deshalb muss die Tankentleerung vom Fachpersonal, z.B. in einer Autogarage, durchgeführt werden. Oder wenn Benzin in nicht angeschriebenen Flaschen gelagert wird und jemand davon trinkt, in der Meinung, es sei ein Getränk. Das kann lebensbedrohliche Folgen haben wie Verätzungen der Schleimhäute und chemisch bedingte Lungenentzündungen.

So einfach könnten viele benzolbedingte Erkrankungen verhindert werden: Zapfhahn einer Tankstelle mit Gasrückführung.
So einfach könnten viele benzolbedingte Erkrankungen verhindert werden: Zapfhahn einer Tankstelle mit Gasrückführung.

Kommt die Haut mit Benzol in Kontakt, kann dies zu Rötungen und Wunden führen. Bei Augenkontakt mit Benzol entstehen Entzündungen und Hornhautverletzungen. Ein direkter Hautkontakt erhöht zudem das Risiko, an Leukämie zu erkranken. Wer zum Beispiel ölverschmierte Hände mit Benzin reinigt, nimmt grosse Mengen Benzol auf.

Durch Schutzausrüstung, zum Beispiel mit geeigneten Gummihandschuhen kann man sich beim Hantieren mit Benzin einfach und effizient gegen Benzol schützen.
Durch Schutzausrüstung, zum Beispiel mit geeigneten Gummihandschuhen kann man sich beim Hantieren mit Benzin einfach und effizient gegen Benzol schützen.

Was kann ich tun, um mich und andere zu schützen?

Durch verbesserte Technik und die Absenkung des Grenzwertes für Benzol im herkömmlichen Benzin konnte der Benzolausstoss beim Strassenverkehr seit 1985 um über 80% reduziert werden (Quelle). Alternative Antriebe, elektrisch oder durch Muskelkraft, sind in aller Regel besser für Umwelt und Gesundheit. Am besten ist daher das Umsteigen vom Auto oder Roller auf das Fahrrad und den öffentlichen Verkehr. Wer öfter auf das Auto verzichtet, leistet einen erheblichen Beitrag zur Verminderung von Benzol-Emissionen.

Mit Muskelkraft betriebene Geräte können eine Alternative sein und stossen keine Schadstoffe aus.
Mit Muskelkraft betriebene Geräte können eine Alternative sein und stossen keine Schadstoffe aus.

Bei Kleingeräten (Rasenmäher, Motorsägen, Laubbläser usw.) ist die Benzolbelastung deshalb besonders problematisch, weil sich der Benutzer oder die Benutzerin direkt im Abgasstrom befindet. Aus diesem Grund sind auch hier Elektro- oder Muskelantrieb am besten. Dennoch lassen sich in einigen Situationen benzinbetriebene Geräte nur schwer vermeiden. Ein leicht zu realisierender Schritt, um deren Benzolausstoss zu vermindern, ist die Verwendung von Gerätebenzin (Alkylatbenzin). Gerätebenzin enthält weniger als 0,1 % Benzol. Der Grenzwert für Benzol beim herkömmlichen Benzin liegt bei 1 %, ist somit zehn Mal höher (Quelle). Durch den Einsatz von Gerätebenzin können daher Benzolemissionen deutlich gesenkt werden.

Um möglichst wenig Benzindämpfe einzuatmen, sollte man das Betanken grundsätzlich im Freien durchführen. Für tropffreies Betanken und die Rückführung der Dämpfe aus dem Tank in den Kanister sind verschiedene technische Hilfsmittel im Fachhandel verfügbar. Beispielsweise Adapter zum Aufschrauben auf konventionelle Benzinkanister oder auch spezielle Benzinkanister zur Vermeidung von Haut- und Atemluftkontakt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat dazu eine Informationsbroschüre herausgegeben.

Du kannst das richtige Betanken im Experiment 'Richtig Tanken' üben.

TV-Spot zum Thema Gerätebenzin

Was ist Benzin?

Herkömmliches Benzin ist ein Gemisch aus über 100 verschiedenen Stoffen. Die allermeisten Inhaltsstoffe bestehen aus Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O2) . Sie unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Grösse und Form der Moleküle und durch ihre Eigenschaften wie Siedetemperatur oder Löslichkeit.

Benzin wird hauptsächlich durch die Raffination von Erdöl gewonnen. Das bedeutet, dass über mehrere Schritte das Erdöl veredelt wird, um einen Treibstoff zu erhalten, der bessere Eigenschaften aufweist als rohes Erdöl. Mit einer höheren Stufe der Raffination lässt sich sogenanntes Gerätebenzin (auch Alkylatbenzin genannt) gewinnen. Ausgangspunkt sind Raffineriegase, die wieder verflüssigt werden. Dadurch entsteht ein ausserordentlich reiner Treibstoff. Das so produzierte Gerätebenzin ist weitgehend frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen, der Benzolgehalt zum Beispiel ist zehn Mal tiefer (Quelle).

Benzin wird durch die Verarbeitung von Erdöl in sogenannten Raffinerien hergestellt.
Benzin wird durch die Verarbeitung von Erdöl in sogenannten Raffinerien hergestellt.

Was kommt aus dem Auspuff heraus?

Mit Benzin betriebene Kleingeräte wie Motorsensen, Kettensägen, Heckenscheren, Laubbläser und eben auch Rasenmäher haben häufig einen 2-Takt-Motor. Diese kommen, anders als 4-Takt-Motoren, mit einer einfacheren Mechanik (keine zusätzlichen Ventile) aus und sind dadurch kleiner und leichter. Zudem funktionieren 2-Takt-Motoren weitgehend unabhängig von der Lage, was bei 4-Takt-Motoren problematischer ist. Der Preis für diese Vorteile sind die sogenannten Spülverluste: Ein relativ grosser Teil des Treibstoffs entweicht unverbrannt via Auspuff. Dieser Teil ist bei 4-Takt-Motoren deutlich kleiner, insbesondere wenn sie mit einem Katalysator ausgerüstet sind. Kleingeräte mit 2-Takt-Benzinmotoren tragen zu einer erhöhten lokalen Luftbelastung bei, wenn sie mit normalem Benzin betrieben werden. Hobbygärtner, Forst- und Bauarbeiter sind daher oft einer hohen Benzol-Konzentration ausgesetzt.

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