Leidest du unter Asthma oder einer Allergie, zum Beispiel Heuschnupfen? Wenn nicht, kannst du dich glücklich schätzen. Aber bestimmt kennst du Personen, die eine solche Krankheit haben.
Mit schwachem Asthma oder leichtem Heuschnupfen kann man noch ein normales Leben führen. Luftschadstoffe können der Auslöser für diese Beschwerden sein oder die Symptome verstärken. Bei sehr jungen oder alten Menschen und bei besonders sensiblen Menschen können die Folgen dramatischer sein. Aber auch bei gesunden Leuten können plötzlich Folgen der Luftverschmutzung auftreten. Eine hohe Luftqualität ist wichtig für unsere Gesundheit.
Wie wirkt sich schlechte Luft auf die Gesundheit aus?
Es gibt zahlreiche Luftschadstoffe, die unterschiedlich auf die Gesundheit wirken. Die wichtigsten Luftschadstoffe findest du im Kapitel Luftreinhaltung. Die einen lösen akute Krankheiten aus, andere führen zu chronischen Beschwerden. Es gibt auch Substanzen, die sowohl akute als auch chronische Auswirkungen haben. Das hängt von den verschiedenen Eigenschaften der Schadstoffe, ihren Konzentrationen, der Dauer ihrer Belastung und der Empfindlichkeit des einzelnen Menschen ab.
Die wichtigsten möglichen Wirkungen von Luftschadstoffen auf die Gesundheit der Menschen sind folgende:
- Selbstreinigung (Abwehrsystem) der Atemwege beeinträchtigt: Veränderung der Schleimproduktion, Lähmung oder Zerstörung der Flimmerhärchen: akuter oder chronischer Husten
- Reizung der Schleimhäute: Veränderung der Durchlässigkeit, Schwellung, Entzündung
- Einengung der Bronchien: Muskelkrampf (Spasmus), Schleimhautschwellung und vermehrte Schleimproduktion (Asthma)
- Schädigung der Lungenbläschen: Aktivität der Fresszellen (Makrophagen) vermindert, lokale Entzündungsreaktionen, Veränderung der Zellmembranen
- Örtlich begrenzte oder auf Organe und Organsysteme übergreifende Entzündung: Wirkung auf das Herzkreislaufsystem
Alle diese Wirkungsmechanismen können schwere Erkrankungen auslösen.Die häufigsten Erkrankungen findest du auf der Webseite der Lungenliga.
Wer leidet unter verschmutzter Luft?
Luftverschmutzung ist grundsätzlich für alle Menschen schädlich. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder, Ungeborene oder Kranke. Kleinkinder sind z.B. anfällig auf Infektionen der Atemwege, da bei der Geburt ihr Immunsystem und die Lunge noch nicht vollständig entwickelt ist. Bei Personen mit Asthma werden durch verschmutzte Luft Anfälle begünstigt. Entzündungen können gerade bei älteren Menschen die Abwehrkräfte erschöpfen. Über Entzündungen im Körper wird auch das Herzkreislaufsystem belastet. Die Folgen können Herzrhythmusstörungen, Veränderungen der Blutgefässwände und Infarkte sein.
Wie wirkt sich schlechte Luft auf unsere Gesellschaft aus?
In der Schweiz ist die Luftverschmutzung für den vorzeitigen Tod von rund 3’000 Personen pro Jahr verantwortlich. Zum Vergleich: im Schweizer Strassenverkehr sterben im Jahr ca. 300 Personen. Insgesamt lassen sich etwa 5% aller Todesfälle mit Luftverschmutzung in Verbindung bringen. Zudem verursacht sie ein Vielfaches an Krankheitsfällen, z.B. Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen (Quelle).
Durch Luftverschmutzung werden hohe Kosten verursacht: Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass durch die Luftverschmutzung in der Schweiz jährlich Gesundheitskosten von über CHF 4 Milliarden entstehen. Rund CHF 1,5 Milliarden entfallen auf den Strassenverkehr. Die weiteren Gesundheitskosten werden durch Industrie, Gewerbe, Haushalte sowie Land- und Forstwirtschaft verursacht. Diese Kosten hat die Allgemeinheit zu tragen (Quelle).
Wie wirkt sich schlechte Luft auf die Umwelt aus?
Nicht nur Menschen haben unter der Luftverschmutzung zu leiden, auch die Ökosysteme reagieren empfindlich. Ein Problem sind gewisse Stickstoffverbindungen (z.B. Stickoxide oder Ammoniak).
Hauptquellen dieser Stickstoffverbindungen sind Verbrennungsprozesse (Verkehr und Heizungen) und die Landwirtschaft. Insgesamt gelangen jährlich 76'000 Tonnen Stickstoff in die Atmosphäre und gelangen über den Regen früher oder später in den Boden. Das Mittelland wird so innert fünf bis zehn Jahren mit einer Stickstoffmenge versorgt, die der Volldüngung einer mittel intensiv genutzten Wiese entspricht (Quelle).
Dies trägt zur Bodenversauerung und Überdüngung (Eutrophierung) in Wäldern bei, was Nährstoffungleichgewichte und Schädigung der Baumwurzeln zur Folge hat. Damit steigt auch die Anfälligkeit der Bäume auf Sturmschäden.
Viele artenreiche Lebensräume in der Schweiz (z.B. Magerwiesen und Moore) zeichnen sich gerade durch ihre Nährstoffarmut aus. Die daran angepassten Pflanzen sind wahre „Hungerkünstler“. Bei steigenden Stickstoffkonzentrationen werden sie durch andere Arten verdrängt. Viele dieser Pflanzenarten stehen nicht zuletzt deshalb auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
Schlechte Luft – so schlimm wie Rauchen?
Beim Rauchen einer Zigarette entstehen durch die Verbrennung des Tabaks viele Schadstoffe. Diese werden beim Rauchen eingeatmet und über die Lungen in den Körper aufgenommen. Die Konzentration der Schadstoffe im Zigarettenrauch ist deutlich höher als in verschmutzter Umgebungsluft. Zigarettenrauch enthält eine grosse Anzahl Russpartikel, aber auch zahlreiche weitere Stoffe (z.B. Benzol), die für den Körper giftig sind. Über 70 der Inhaltsstoffe sind nachweislich krebserregend (Quelle). Raucher belasten ihre Atemwege sowie auch ihren ganzen Körper mit hohen Schadstoffmengen. Auch Passivrauchen ist gesundheitsschädlich. Vor allem in Räumen, in denen geraucht wird, ist die Atemluft stark durch Luftschadstoffe belastet. Zum Schutz vor Passivrauchen ist in der Schweiz 2010 ein Gesetz in Kraft getreten. Dieses regelt u.a. das Rauchverbot in öffentlich zugänglichen geschlossenen Räumen. In privaten Räumen ist das Rauchen weiterhin erlaubt – für Menschen, die Ihre Wohnsituation nicht frei wählen können, wie zum Beispiel bei Kindern oder von Pflege abhängigen Personen, ist dies besonders problematisch.
Im Vergleich zu einer Person, die direkt neben einer vielbefahrenen Strasse wohnt, ist Rauchen deutlich schlimmer. Neben einer vielbefahrenen Strasse ist die Feinstaubbelastung um ca. 5 – 10 µg / m³ erhöht, was zu einem um 5 – 10 % erhöhten Lungenkrebsrisiko führt (Faktor 1.05 – 1.1). Rauchende hingegen haben ein zirka 20-mal höheres Lungenkrebsrisiko, das entspricht einem Faktor von 20 (Quelle).
Das Experiment (Unterrichtsmaterial) 'Feinstaub' veranschaulicht, wie stark die Luft durch verschiedene Verbrennungsprozesse (auch durch Zigaretten) verschmutzt wird.